Klima Heuchler
Dieser Titel prangte auf der Titelseite eines Beiheftes des Beobachters im Wartezimmer des Zahnarztes, und ich erlaubte mir, einige Seiten dieses Beobachters zu mir nach Hause zu entführen. Inhalt des Beitrags sind vor allem ökologische und ökonomische Aspekte. Er zeigt auf, wo ein nachhaltigeres Verhalten nötig ist, wo solche „klimaschonende Verhaltensweisen“ bereits umgesetzt werden oder wo sie eben nur scheinbar umgesetzt werden.
Eine Beobachter-Studie von Januar 2008 zeigt, dass die Nachhaltigkeit für viele Personen ein Thema zu sein scheint:
69. 3 % geben an, beim Kauf von Haushaltsgeräten auf energiesparende Produkte zu achten
70.3% schalten Elektrische Geräte aus, statt sie im Standby Modus zu belassen
63. 5% heizen weniger und tragen stattdessen warme Kleidung
50.8% fahren weniger Auto und benutzen vermehrt öffentliche Verkehrsmittel
46.9 % erklären, dass sie aus Sorge um das Klima weniger Flüge buchen und ab und zu auf Reisen verzichten.
Anscheinend gibt es einen Grund zum Optimismus: Verschiedene Indizien deuten darauf hin, dass die Trendwende hin zu einem schonenderen Umgang mit Ressourcen und zu einer klimafreundlicheren Lebensweise in Reichweite sein könnten. Der Schutz des Klimas gelte in der heutigen Gesellschaft als „schick“.
WWF-Mediensprecher Fredi Lüthin bemerkt jedoch: „Es wird sich wohl erst in zwei, drei Jahren zeigen, ob sich die aktuelle Klimadebatte tatsächlich auch in Verhaltensänderungen niederschlägt.“
Dumm nur: Zwischen dem was die Schweizer Bevölkerung zum Schutze des Klimas zu tun behauptet, und dem, was sie effektiv tut, klafft eine Lücke. Klimaschutzmassnahmen, welche eine Verhaltensänderung bedingen, sind weit weniger populär als behauptet: „Wir fahren Hybridautos, aber keiner von uns ist bereit, sein Mobilitätsverhalten zu ändern“, bringt es der Konsumkritiker Kalle Lasn auf den Punkt.
Meiner Meinung nach spiegelt dieser Artikel gut wieder, dass zwischen Wunschdenken und Realität ein grosser Unterschied besteht. Nur weil der Klimaschutz ein aktuelles Thema ist, erinnert man sich kurz, in welchem Bereich man sich (sowieso schon, und ohne etwas ändern zu müssen) klimafreundlich verhält, und profiliert sich damit.
Mir scheint es, als ginge es auch beim Klimaschutz, wie in vielen anderen Lebensbereichen, immer mehr um Ansehen und Macht. Und wer nichts fürs Klima tut, wir von der Gesellschaft geächtet, obwohl in der Tat niemand “sauber“ ist.
Solange wir nur scheinbar das Beste für das Klima wollen und den Hintergedanken „ Mich betriffts ja sowieso nichts mehr, was nachher kommt ist mir egal“ aus dem Denken verbannen, sind und bleiben wir Klima Heuchler.
Mittwoch, 27. Februar 2008
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3 Kommentare:
Ja es stimmt, dass sich viele mit dem zufrieden geben, was sie bereits für die Umwelt tun und nicht bereit sind, noch einen Schritt weiter zu gehen. So hatte ich vor kurzer Zeit eine Diskussion über den Umweltschutz mit meiner Mutter. Ich meinte, wir müssten mehr für den Umweltschutz tun und darauf entgegnete sie, dass sie ja schon genügend zum Umweltschutz beitragen würde. Sie würde nichts verschwenden, den Abfall trennen und keinen Weichspüler beutzen. Klar finde ich das gut, doch wenn man sich wirlich engagieren will, könnte man noch weiter gehen.
Ich habe deinen Beitrag gelesen und bin total deiner Meinung. Angesprochen auf das Thema Umweltschutz, sprechen wir alle nur davon, was wir persönlich machen. Wir suchen regelrecht danach, was wir denn schon alles Gutes tun und geben zum Teil schon fast prahlerisch damit an. Und wenn wir jemanden sehen, der oder die wir kritisieren können, dann wird dies ausgiebig genutzt. Denn es sind ja immer die anderen Schuld.
In einer Zeitschrift von Euro 26 habe ich erst kürzlich Interviews gelesen, was die heutige Jugend von Autofahren hält. Fast alle gaben an, dass sie die Umwelt schonen wollen und daher kein Auto fahren. Erstaunlich bei der ganzen Sache war, dass fast alle Befragten zwischen 16-18 Jahre alt waren. Diese Umfrage ist in meinen Augen ein absoluter Blödsinn und diese Jugendlichen sollen wieder gefragt werden, wenn sie Autofahren und sich auch ein Auto leisten können. Also Klima Heuchler, trifft da vollkommen zu und dieses Interview spiegelt viel von unserem Umweltverständnis wieder.
Janine Dürst, LG05Fd
Mich haben zuerst auch die positiven Zahlen erstaunt. Ja, leider wollen viele Menschen erst etwas fürs Klima tun und setzen es noch nicht um (ich nehme mich jetzt da nicht aus).
Was Herr Lasn sagt, unterstreicht nur wieder meine Meinung. Die Menschen werden ihren einmal erworbenen Wohlstand nicht so schnell aufgeben. Man muss nur umweltfreundlichere Alternativen bieten können oder Massnahmen ergreifen, die aufs Portemonnaie drücken, sonst verändert sich nichts.
Ich glaube auch, wie Herr Lüthin, dass es sich zeigen wird, ob aus einem Trend wirklich eine dauerhafte Verhaltensänderung werden kann.
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