Am vergangenen Wochenende durfte ich meine neuen Mountainbikes in Empfang nehmen. Bisher habe ich mir noch nie wirklich überlegt, wer alles für mich gearbeitet hatte, damit ich auf diesen edlen Rennmaschinen Wettkämpfe bestreiten kann. Dem wollte ich nun einmal nachgehen und ich versuchte also, dem Internet einige Informationen darüber zu entnehmen. Leider fand ich dazu nur wenige.
Die einzelnen Komponenten der Bikes werden auf deren Herstellerhomepages stolz präsentiert, über die Herkunft der einzelnen Rohstoffe oder über die Produktion liessen sich jedoch keine Details finden. Mag daran liegen, dass wohl nicht allzu oft jemand so einen Blogeintrag schreibt und sich daher für diese Hintergründe interessiert…
Aber nun zu dem was ich weiss, oder zumindest zu wissen glaube:
Viele Bikekomponenten, und auch die Rahmen zahlreicher Fahrradmarken werden in Asien produziert. Weil im Rennsport Fahrradrahmen mit möglichst wenig Gewicht, aber dennoch hoher Steifigkeit gefordert sind, werden diese immer häufiger aus Carbonfasern angefertigt. Diese Kohlenstoffe werden unter anderem in China oder Russland abgebaut.
Diejenigen Personen, welche für unser Biketeam in der Schweiz verantwortlich sind, fliegen mehrmals jährlich nach Taiwan. Dort besuchen sie Messen und bekommen auch einen Einblick in die (Massen-)Produktion. Die Arbeitsbedingungen seien nicht unmenschlich, aber dennoch mit denjenigen hierzulande nicht vergleichbar. Im Laufe der Zeit haben sich die taiwanesischen Hersteller so weit etabliert, dass sie weltweit in den Markt traten und qualitativ hochwertige Rahmen und Komponenten zu vergleichsweise niedrigen Preisen anbieten konnten.
Die Reifen meines Fahrrades werden in Deutschland vom Hersteller „Schwalbe“ fabriziert. Was ja nicht bedeutet, dass die einzelnen Bestandteile auch aus Deutschland stammen.
Ebenfalls in Deutschland, aber nicht von derselben Firma werden die Bremsen hergestellt.
Auch ein Stück Heimat hats an meinem Bike: Die Federgabel ist ein Werk der Schweizer Firma DT Swiss.
Und hier muss ich stoppen, sonst verliere ich erstens den Überblick und zweitens wird mein Post zu lang. Mir wird bewusst, dass unzählige Menschen, sei es beim Abbau der Rohstoffe, bei der Produktion, beim Schiff-oder Flugverkehr für mich gearbeitet hatten. Auch leisten die Teamchefs, welche dies alles koordinieren, und nicht zuletzt auch mein Velomech ganze Arbeit. Soviel wird als selbstverständlich angesehen, und wenns mal zu einem Lieferengpass kommt, fallen leichtfertige Kommentare wie: „Taiwan hat mal wieder verschlafen.“ Ehrfürchtig stehe ich nun vor meinem Mountainbike, und weiss gar nicht, wie ich meinem Heer von Arbeitern danken soll…
Dienstag, 4. März 2008
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3 Kommentare:
Ja und man könnte auch noch die vielen Lehrmeister aufzählen, die den Ar-beitern ihren Job beigebracht haben und die vielen Volksschullehrer, die ih-nen überhaupt lesen und schreiben gelernt haben … Ja, du hast Recht. Irgendwann muss man aufhören, sonst geht es zu weit, so wie mir das gerade passiert ist. Wir leben heutzutage nun mal in einer globalisierten Welt und dazu gehört auch, mit vielen Menschen auf der ganzen Welt vernetzt zu sein. Man kann dies gut finden oder nicht, auf jeden Fall hat es sicher seine Vor- und Nachteile.
Ich hoffe auf jeden Fall, dass du mit deinem neuen Mountainbike noch viel Freude und Erfolg haben wirst!
Ich finde dein Beispiel zeigt sehr gut, wie alle Einzelteile von irgendeinem anderen Fleck auf der Erde kommen. Ein Stück aus Asien, ein Stück aus Europa, ein Stück aus Amerika und schlussendlich wird alles zusammengefügt, wie bei deinem Bike. Eigentlich verrückt, wenn man länger darüber nachdenkt...
Corin Weder, LG05Ed
Die Schlange von Arbeitern für jedes Produkt ist unendlich, weil sie sich immer weiterführen lässt. Ja wer hat denn überhaupt das Schiff gebaut, mit dem die Teile hierherkommen? Und wer hat das Öl gefördert, mit dem es angetrieben wird? Schlussendlich hast wahrscheinlich du selbst auch einen winzigen Bruchteil zu deinem Bike beigetragen.
Interssant finde ich nun die Überlegung, dass wenn ich nun etwas billiger kaufe, ich dadurch, sehr indirekt und hypothetisch, meinen eigenen Lohn kürze. Dies ist eine Abwärtsspirale, die sich gar nicht aufhalten lässt, solange alle alles billiger kaufen wollen.
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