Ich stehe mitten im Wald, es ist bitter kalt und einzelne Schneeflocken bahnen sich ihren Weg zwischen den Bäumen hindurch. Wie ich da so stehe, frage ich mich, was die Bäume wohl von diesen späten Wintergesten halten. Es scheint ihnen nichts auszumachen. Oder sie lassen es zumindest mit sich geschehen. Haben sie sich mit ihrem Platz angefreundet? Oder gibt es Bäume unter ihnen, die wieder und abermals vergeblich gegen ihren Platz auf der Welt anzukämpfen versuchen? Solche, die alle Energie zusammenraufen, um die Umstände ihres Daseins zu verändern? Und jedes Mal erneut schmerzhaft erfahren müssen, dass ihre Kraft dazu nicht ausreichen würde? Wohl kaum…oder doch?
Wenn ich mich in der Natur aufhalte, stelle ich mir häufig Fragen. Meine Gedanken entschlüpfen den üblichen Schranken und es gelingt mir für kurze Zeit, Vergangenes und Zukünftiges zu vergessen. Nur den Moment wahrzunehmen.
Trotz der winterlichen Bedingungen höre ich vereinzelt das Zwitschern eines Vogels, welches das sanfte Aufsetzen der Schneeflocken auf den Bäumen und Sträuchern übertönt. Die Geräusche wirken entspannend auf mich. Ein Gefühl der Verbundenheit mit der Natur kommt auf. Ich bin Teil eines Ganzen. Ich bin Natur. Und ich bin dankbar, in der Natur sein zu dürfen, Teil der Natur sein zu dürfen.
Ich frage mich, wie lange uns die Natur noch so erhalten bleiben würde. Und neben dem Gefühl der Dankbarkeit schleichen sich Schuldgefühle in mein Gewissen. Habe ich überhaupt ein Recht dazu, mich als Teil der Natur zu sehen? Darf ich die vollkommene Natur benützen? Ausnützen? Was habe ich als Gegenleistung zu bieten? Kann ich mein Verhalten gegenüber der Natur verantworten?
An dieser Stelle fällt mir gerade eine Textpassage aus einem Lied von Thomas D. ein, welche folgendermassen lautet: „Es tut mir leid Natur, denn deine Erben erheben sich gegen dich und erledigen dich. Du warst vollkommen in Vielfalt, und mit allem im Einklang, bis der Mensch mit Gewalt in dich eindrang. All deine Schätze die am Anfang allen gut vertraut, sie wichen Plätzen die auf Tränen und Blut gebaut, ich seh die Wunden blinder Wut auf deiner Haut entstehn, obwohl doch die die dich verletzen damit gegen sich selbst gehn.“
Mir wird bewusst, wie sehr ich an der Natur hänge. Naturerlebnisse geben mir die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen und neue Kräfte zu schöpfen. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, dass sie uns erhalten bleibt, und ich im Einklang mit ihr leben darf.
Dienstag, 25. März 2008
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2 Kommentare:
Ich habe deinen Text gelesen und er hat mich echt berüht. Irgendwie traurig wie die Natur uns Menschen ausgeliefert ist. Wenn ich in im Wald spatzieren gehe, hoffe ich auch immer wieder, dass die Schönheit dieser einzigartigen Natur uns noch eine Weile erhalten bleibt. Auch das Lied, welches du zitiert hast, finde ich passend, denn die Natur leidet sichtlich unter uns Menschen.
Durch deinen Bericht habe ich wieder einmal darüber nachgedacht, was diese Welt ohne die wunderbare Natur wäre. Und ich kam zum Schluss - nichts! Häufig bin ich mir dies nicht so bewusst, weil die Natur einfach so da ist. Ich denke, dass wir Menschen gerade deshalb nicht so sehr auf die Natur Rücksicht nehmen, weil wir uns gar nicht wirklich vorstellen können, wie die Welt aussehen wird, wenn die Natur eines Tages völlig zerstört sein wird, wenn wir so weitermachen. Ich denke, so tragisch es auch klingen mag, dass wir uns unseres Handelns erst wirklich bewusst werden, wenn es kein Zurück mehr gibt.
Bibi, LG05Gg
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